Gurdjieff Heute


Das Internetportal von Bruno Martin

„Wir können die Wirklichkeit nicht sehen, weil es uns an Aufmerksamkeit fehlt", sagte mein Lehrer John G. Bennett einmal. Dieser Satz wird für mich immer mehr zu einem Zen-Koan, je länger ich darüber nachsinne. Vielleicht nehmen Sie, nimmst du, diese Idee einmal für eine Zeitlang in den Fokus des täglichen Lebens auf?

Ich sehe in meinen Seminaren immer wieder, wie sich die Feldqualität ändert, sei es beim gemeinsamen Essen vorbereiten und kochen, sei es bei den Movements, wenn die Aufmerksamkeit nachlässt oder zunimmt. Aufmerksamkeit ist ein entscheidender Faktor für die Selbstverwirklichung. Ich habe dazu in meinem Buch "Der Wunderland-Effekt" einen Text geschrieben, der unter dem Button "Artikel" nachgelesen werden kann.

Die Arbeit mit Gurdjieffs und Bennetts Methoden schreitet weiter voran. An Ostern 2012 veranstaltete ich eine internationale Tagung im Wendland, bei dem Gurdjieff- und MovementslehrerInnen aus den USA, Kanada, England, Italien und Deutschland teilnahmen, unter anderem Anthony Blake und Wim van Dullemen, die einigen von euch zumindest als Autoren oder Musiker bekannt sind. Angedacht bei der Tagung wurde die Gründung einer "internationalen Gesellschaft zur Erforschung heiliger Tänze", um bestimmte Qualitätsstandards bei der Ausführung und Vermittlung der Movements zu finden.

Es war ein sehr interessanter Erfahrungsaustausch der Menschen, die seit vielen Jahren den "Stab weitergeben" an viele Menschen weltweit, die erkannt haben, wie wertvoll die Methoden von Gurdjieff und Bennett für das eigene innere Wachstum ist. Wir konnten auch einen Film sehen, bei dem Jessmin Howarth, die Mutter der Gurdjieff-Tochter Dushka Howarth, die 2008 verstorben ist, die Movements gelehrt hat. Es war spannend zu erleben, wie eine 90jährige noch so klar und aktiv war. Manchmal konnte sie sich nicht zurückhalten und zeigte persönlich, wie eine Geste bei den Movements richtig gemacht werden sollte. Jessmin arbeitete seit den 1920er Jahren mit Gurdjieff zusammen und war beteiligt an der Entwicklung der Movements.

Die Movements sind tatsächlich ein großes Werkzeug der schnellen Transformation – und sie lehren uns die große Bedeutung der Aufmerksamkeit, ohne die die wunderbaren Choreografien als Kunstwerke nicht lebendig werden können. Auch wird immer wieder deutlich, dass viele Movements eigenständige "Lehrer" sind, jenseits jeder Theorie. Wir schöpfen Erkenntnisse daraus, die tiefer wirken als intellektuelle Beschäftigung mit Gurdjieffs Lehre.

Ich betone diese Sache, weil ich immer wieder das Gefühl habe, dass sich viele interessierte Menschen davor scheuen, in die Praxis zu gehen. Wie sonst ist die Diskrepanz zwischen der Anzahl der "Klicks" auf diese Website oder auch des Verkaufs meines "Gurdjieff-Praxisbuches" und der tatsächlichen Beteiligung an den Seminaren zu erklären? Alle die den Schritt zur Praxis gewagt haben, haben gesehen, wie nützlich die Movements und andere Übungen sind. Nicht alle bleiben dabei, das ist normal. Aber diejenigen, die eine Weile durchhalten fühlen sich durch einen großen Schatz an wertvollen und das Leben verändernden Impulsen bereichert. Und nach jedem Seminar bin ich über die "hohe Bewusstseinsenergie" verblüfft, die wir gemeinsam erzeugt haben – und jedes Mal dankbar für die Möglichkeiten der eigenen Entwicklung, die wir geschenkt bekommen haben.

Bruno Martin, Mai 2012


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